Studio eröffnen
Manuel Lappitsch · 25. Oktober 2026 · 8 Minuten Lesezeit
Wer ein Fitnessstudio eröffnen will, findet im Netz Kostenangaben zwischen 30.000 Euro und einer Million. Belegt ist davon wenig. Hier stehen die Posten, mit denen du rechnen musst, und die Zahlen, die Verbände, Kammern und Förderbanken tatsächlich veröffentlichen.
Die Kurzfassung: Eine feste Summe gibt es nicht, weil Fläche, Zustand der Räume und Ausstattung den Preis bestimmen. Die Gründerplattform von KfW und Bundeswirtschaftsministerium schreibt: „Es kommen schnell mehrere Hunderttausend Euro zusammen, bevor du Eröffnung feiern und den ersten zahlenden Kunden im Fitnessstudio begrüßen kannst.“ Kleine Konzepte kommen mit deutlich weniger aus, große Studios kosten Millionen.
Ratgeber im Netz nennen für ein kleines Studio mal 30.000 bis 50.000 Euro, mal 50.000 bis 100.000 Euro. Eine Quelle steht fast nie dabei. Die Spanne entsteht, weil drei Dinge den Preis treiben: die Größe der Fläche, wie viel an den Räumen umgebaut werden muss und ob du Geräte kaufst oder least.
Zwei belegte Beispiele zeigen die Bandbreite:
Dazwischen liegt fast alles, was in Deutschland und Österreich eröffnet wird. Deine eigene Zahl bekommst du nur, wenn du die Posten einzeln durchgehst.
Die meisten Studios mieten. In Österreich sind laut den Eckdaten der Fitnesswirtschaft 2025 von WKO und DHfPG 92,4 Prozent der Anlagen gemietet, die Durchschnittsmiete lag 2024 bei 10,55 Euro netto pro Quadratmeter. Dazu kommen Kaution und die Monate, in denen du schon Miete zahlst, aber noch nichts einnimmst.
Teuer wird es, wenn die Räume nicht passen. Der Arbeitgeberverband DSSV nennt als technische Mindestwerte unter anderem eine Raumhöhe ab 3 Metern, eine Bodentraglast von 500 Kilogramm pro Quadratmeter und eine Beleuchtung ab 300 Lux. Prüf das vor der Unterschrift unter den Mietvertrag, sonst zahlst du den Umbau.
Dazu kommt die Genehmigung. In Deutschland braucht es oft eine Nutzungsänderung beim Bauamt. In Österreich sind laut WKO-Leitfaden eine Baubewilligung und eine Betriebsanlagengenehmigung nötig. Unter 800 Quadratmetern Betriebsfläche gilt ein vereinfachtes Verfahren, eine Sauna ist aber immer genehmigungspflichtig.
Für Geräte gibt es keine unabhängige Kostenquelle. Die Ratgeber widersprechen sich: Für ein mittleres Studio stehen dort Summen von 30.000 bis 80.000 Euro, 60.000 bis 130.000 Euro oder 50.000 bis 200.000 Euro. Hol deshalb zwei bis drei Angebote für deine konkrete Fläche ein. Leasing verteilt die Kosten auf die Laufzeit, macht die Anschaffung aber insgesamt teurer.
Zur Ausstattung gehören außerdem Boden, Spiegel, Umkleiden, Duschen, Empfang, Musikanlage und das Zutrittssystem. Diese Posten wirken einzeln klein, summieren sich aber.
Die Gewerbeanmeldung selbst kostet wenig. In Berlin zum Beispiel 26 Euro für ein Einzelgewerbe, die Gebühr ist aber von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. In Österreich ist der Betrieb eines Fitnessstudios laut WKO Oberösterreich ein freies Gewerbe ohne Befähigungsnachweis. Laufend kosten dich Studio-Software, Versicherungen und Lizenzen, dazu mehr bei den monatlichen Kosten.
Diesen Posten vergessen viele. Jeder Monat ohne Mitglieder kostet volle Miete und volles Personal. Studios, die schon vor der Eröffnung Verträge abschließen, verkürzen diese Durststrecke. Dafür brauchst du ein Budget für Bekanntheit in deinem Einzugsgebiet und einen festen Ablauf, damit aus Anfragen Probetrainings und Verträge werden.
Belastbare Zahlen zu den Kosten einer Voreröffnung gibt es nicht. Wie du Anfragen nachfasst, die nicht sofort abheben, steht im Beitrag Stille Leads.
Für die laufenden Kosten gibt es Richtwerte vom Verband. Der DSSV nennt sie ausdrücklich eine grobe Orientierung, weil sie je nach Konzept stark schwanken. Als Anteil am Nettoumsatz gelten diese Werte als optimal und als Obergrenze:
Dazu nennt der DSSV feste Richtwerte pro Monat: Nebenkosten von 3,00 bis 3,50 Euro pro Quadratmeter, Strom ab 2,50 Euro pro Quadratmeter, Reinigung von 2,00 bis 3,00 Euro pro Quadratmeter, Versicherungen von 250 bis 280 Euro und 250 bis 400 Euro für GEMA, VG Media und Rundfunkbeitrag.
Die Zahlen aus Österreich passen dazu. Laut der WKO-Studie machten 2024 die Personalkosten 30,4 Prozent und die Raumkosten 27,8 Prozent des Nettoumsatzes aus, Abschreibungen 7,6 Prozent. Alle anderen Kostenarten liegen deutlich darunter.
Ab wann sich ein Studio trägt, hängt an deinen Fixkosten und deinem Beitrag. Eine belastbare Zahl für den Break-even gibt es nicht, die Angaben in Ratgebern reichen von 40 bis über 200 Mitglieder. Mit der folgenden Formel rechnest du deine eigene:
Die Formel
Monatliche Fixkosten geteilt durch den durchschnittlichen Monatsbeitrag ohne Umsatzsteuer ergibt die Zahl der Mitglieder, ab der sich dein Studio trägt.
Die Zahlen dafür liefern die Verbände. In Deutschland lag der Monatsbeitrag 2025 laut DSSV-Eckdaten im Schnitt bei 48,55 Euro brutto, in Einzelanlagen bei 59,24 Euro und in Spezialstudios wie EMS oder Zirkeltraining bei 80,02 Euro. In Österreich lag er 2024 laut WKO bei 50,17 Euro brutto, in Einzelanlagen bei 56,68 Euro.
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Liegen deine Fixkosten bei 20.000 Euro im Monat und dein Beitrag bei 59,24 Euro brutto, bleiben nach 19 Prozent Umsatzsteuer rund 49,78 Euro. Du brauchst also rund 402 zahlende Mitglieder, bevor das Studio etwas verdient.
Zum Vergleich: Eine Einzelanlage in Österreich hatte 2024 laut WKO im Schnitt 740 Mitglieder, ein Spezialstudio 138. Und jedes Jahr gehen Mitglieder wieder. Die Fluktuation lag in Österreich 2024 bei 25,1 Prozent. Du musst also laufend neue Mitglieder gewinnen, um nur den Stand zu halten.
Plane mehr ein, als dein Kostenplan sagt. Laut KfW-Gründungsmonitor 2026 haben über alle Branchen etwa 30 Prozent der Gründerinnen und Gründer mehr Kapital eingesetzt als geplant. Bei einem Studio kommt dazu die Anlaufzeit, in der die Kosten schon voll laufen und die Mitgliederzahl erst wächst.
Eine feste Empfehlung für die Höhe der Reserve gibt es nicht. Ratgeber nennen drei bis zwölf Monate Fixkosten. Je weniger Mitglieder du vor der Eröffnung gewinnst, desto größer sollte das Polster sein.
Die wichtigste Regel zuerst: Förderungen musst du in der Regel beantragen, bevor du verbindlich bestellst oder unterschreibst. Wer die Geräte schon gekauft hat, bekommt dafür meist nichts mehr.
In der Steiermark ist Vorsicht geboten: Die Landesförderung der SFG schließt die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft aus, und dazu gehören Fitnessbetriebe. Lass dich vor dem ersten Kauf beim Gründerservice der WKO oder bei deiner Bank beraten.
Zum Mitnehmen
Prüf die Räume vor dem Mietvertrag, stell den Förderantrag vor der ersten Bestellung und plane die Zeit bis zum Break-even mit ein. Die Mitglieder, die du vor der Eröffnung gewinnst, sind die beste Reserve.
Damit aus den ersten Anfragen auch Mitglieder werden, lohnt sich ein Blick auf die Probetrainings. Woran es dort oft hakt, steht im Beitrag Warum Probetrainings nicht auftauchen.
Manuel Lappitsch
Member Hacks
Manuel Lappitsch leitet mit seinem Geschäftspartner zwei Studios in Graz: die Zitadelle, ein Kampfsport-Gym, und den Wirbelsäulenstützpunkt, ein medizinisches Trainingszentrum. Was dort funktioniert, bringt Member Hacks in andere Studios.
Wir schauen uns gemeinsam an, wo dein Studio gerade steht und was das System dort bringen würde.
Im Beratungsgespräch schauen wir auf dein Studio, dein Einzugsgebiet und deine Zahlen. Danach weißt du, ob und wie das System bei dir funktioniert.
Wie viel kostet es, ein kleines Fitnessstudio zu eröffnen?
Eine belastbare Durchschnittszahl gibt es nicht. Ratgeber nennen 30.000 bis 100.000 Euro, meist ohne Quelle. Für ein kleines Franchise-Studio von Mrs.Sporty nennt die WKO eine Investition ab 55.000 Euro. Entscheidend sind Fläche, Umbau und ob du Geräte kaufst oder least.
Welche Förderungen gibt es für die Eröffnung eines Fitnessstudios?
In Deutschland vor allem den ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW bis 200.000 Euro und den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur. In Österreich die aws-Garantie für junge Unternehmen und das Neugründungs-Förderungsgesetz. Den Antrag stellst du immer vor der ersten verbindlichen Bestellung.
Wie viele Mitglieder braucht ein Fitnessstudio, um sich zu tragen?
Teile deine monatlichen Fixkosten durch den Monatsbeitrag ohne Umsatzsteuer. Bei 20.000 Euro Fixkosten und 59,24 Euro Beitrag brutto sind das rund 402 Mitglieder. Zum Vergleich: Einzelanlagen in Österreich hatten 2024 im Schnitt 740 Mitglieder.
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