Mitgliedergewinnung
Manuel Lappitsch · 25. Oktober 2026 · 6 Minuten Lesezeit
Der Termin steht im Kalender, der Trainer wartet, und um 18 Uhr ist niemand da. Fast jedes Studio kennt das. Die meisten Gründe, warum Leute nicht zum Probetraining kommen, kannst du beeinflussen. Hier steht, was dagegen hilft und was Studien dazu zeigen.
Die Kurzfassung: Mach den Termin so bald wie möglich aus, erinnere persönlich daran, lass dir den Termin bestätigen und nimm die Unsicherheit vor dem ersten Mal. Wer trotzdem nicht kommt, bekommt noch am selben Tag ein neues Angebot.
Eine belastbare Zahl speziell für Fitnessstudios gibt es nicht. Anbieter von Studio-Software wie Glofox schreiben von 20 bis 40 Prozent ausgefallenen Probetrainings, nennen aber keine Quelle dafür. Besser untersucht sind Arzttermine: Eine Auswertung von 105 Studien kommt dort auf rund 23 Prozent Terminausfälle im Schnitt.
Wichtiger als jede Branchenzahl ist deine eigene. Zähl einen Monat lang mit, wie viele vereinbarte Probetrainings wirklich stattgefunden haben. Diese Erscheinungsquote ist dein Ausgangswert. Erst mit ihr siehst du, ob eine Maßnahme etwas bringt.
Die Gründe sind meistens banal. Fast alle lassen sich mit einem besseren Ablauf auffangen.
Dazu kommt die Qualität der Anfrage selbst. Wer nur schnell auf „gratis testen“ geklickt hat, ist leichter wieder weg als jemand, der im Gespräch erzählt hat, warum er trainieren will.
Biete den nächsten oder übernächsten Tag an. Am Tag der Anfrage ist die Motivation am größten. Eine Woche später ist der Alltag dazwischengekommen, und das Probetraining fühlt sich nach Verpflichtung an.
Gib zwei konkrete Zeiten zur Auswahl: „Morgen um 18 Uhr oder Donnerstag um 7 Uhr?“ Das ist schneller entschieden als die Frage, wann es passt. Je kürzer das Gespräch bis zum fixen Termin, desto weniger Raum für ein „ich melde mich“.
Erinnerungen wirken, das ist gut untersucht. In einem Cochrane-Review mit über 6.600 Patienten kamen ohne Erinnerung 67,8 Prozent zum Termin, mit SMS 78,6 Prozent und mit Anruf 80,3 Prozent. Schon eine einfache Nachricht holt also rund jeden zehnten Termin zurück.
Eine Übersicht über 29 Studien zeigt außerdem: Persönliche Anrufe senkten die Ausfälle um 39 Prozent, automatische Erinnerungen um 29 Prozent. Ob am Vortag oder eine Woche vorher erinnert wurde, machte dort keinen großen Unterschied. Entscheidend ist, dass überhaupt jemand erinnert.
Für ein Studio heißt das: eine Bestätigung direkt nach dem Ausmachen, eine Erinnerung am Vortag und eine kurze Nachricht ein paar Stunden vorher. Wo die Zeit reicht, ist ein kurzer Anruf am Vortag die stärkste Variante.
Die Wortwahl macht einen messbaren Unterschied. In zwei Versuchen mit rund 20.000 Patienten in Großbritannien sank die Ausfallquote von 11,1 auf 8,4 Prozent, nur weil die SMS darauf hinwies, was ein versäumter Termin das Gesundheitssystem kostet. In einer Studie mit fast 690.000 Personen wirkte am besten der Hinweis, die Impfung sei für dich reserviert, verschickt in zwei Nachrichten mit drei Tagen Abstand.
Übertragen aufs Studio: Mach klar, dass jemand auf diese Person wartet. Eine Erinnerung könnte so klingen:
Beispiel für die Erinnerung
Hallo Anna, morgen um 18 Uhr ist dein Probetraining. Lukas hat sich die Stunde für dich freigehalten und zeigt dir alles in Ruhe. Falls es doch nicht passt, schreib einfach kurz zurück, dann finden wir einen neuen Termin.
Wer einen Termin selbst ausspricht oder aufschreibt, hält ihn eher ein. In einem Feldexperiment kamen Beschäftigte um 4,2 Prozentpunkte häufiger zur Grippeimpfung, wenn sie Datum und Uhrzeit selbst notieren sollten. Nur das Datum aufzuschreiben brachte kaum etwas. In zwei Hausarztpraxen gingen die Ausfälle um 18 Prozent zurück, als Patienten ihre Terminkarte selbst ausfüllten.
Im Studio geht das ganz nebenbei. Lass dir den Termin am Ende des Telefonats wiederholen: „Dann sehen wir uns Dienstag um 18 Uhr, passt?“ Und bitte in der Bestätigung um eine kurze Antwort wie „Passt“. Wer einmal zugesagt hat, sagt eher ab, statt einfach wegzubleiben.
Viele bleiben weg, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Je genauer sie es vorher wissen, desto leichter fällt der erste Schritt durch die Tür. In die Bestätigung gehört deshalb:
Gerade in Kampfsport-Gyms hilft der Satz, dass Anfänger in einer eigenen Gruppe starten oder zuerst nur zuschauen dürfen, falls das bei dir so ist. Die Angst, sich vor anderen zu blamieren, ist oft größer als die Lust aufs Training.
Manche Studios überlegen, eine Gebühr zu verlangen, wenn jemand nicht kommt. In einem Versuch mit über 6.700 Ersterminen in Dänemark hatte eine Gebühr von 34 Euro keinen messbaren Effekt: Mit und ohne Gebühr blieben je rund 5 Prozent weg. Für ein Probetraining schreckt eine Gebühr außerdem genau die Leute ab, die du gewinnen willst. Die freundliche Reservierung und das einfache Absagen bringen mehr.
Melde dich noch am selben Tag, ohne Vorwurf. Etwas wie „Schade, dass es heute nicht geklappt hat. Passt dir Donnerstag oder Samstag besser?“ Wer sich schämt, weil er nicht gekommen ist, meldet sich selten von selbst. Ein neuer Vorschlag macht es leicht, doch noch zu kommen.
Dranbleiben lohnt sich auch bei Mitgliedern. In einer Studie mit über 61.000 Mitgliedern der US-Kette 24 Hour Fitness wirkte am besten eine kleine Belohnung für die Rückkehr nach einem verpassten Training. Was du mit Interessenten machst, die gar nicht mehr antworten, steht im Beitrag Stille Leads.
Fang mit einer Maßnahme an und miss einen Monat lang. Die persönliche Erinnerung am Vortag ist meistens der schnellste Hebel.
Manuel Lappitsch
Member Hacks
Manuel Lappitsch leitet mit seinem Geschäftspartner zwei Studios in Graz: die Zitadelle, ein Kampfsport-Gym, und den Wirbelsäulenstützpunkt, ein medizinisches Trainingszentrum. Was dort funktioniert, bringt Member Hacks in andere Studios.
Wir schauen uns gemeinsam an, wo dein Studio gerade steht und was das System dort bringen würde.
Im Beratungsgespräch schauen wir auf dein Studio, dein Einzugsgebiet und deine Zahlen. Danach weißt du, ob und wie das System bei dir funktioniert.
Wie hoch ist eine normale No-Show-Quote beim Probetraining?
Eine belastbare Branchenzahl gibt es nicht. Software-Anbieter nennen 20 bis 40 Prozent, ohne Quelle. Bei Arztterminen liegt der Schnitt laut einer Übersicht über 105 Studien bei rund 23 Prozent. Am aussagekräftigsten ist deine eigene Erscheinungsquote über einen Monat.
Wann sollte ich an ein Probetraining erinnern?
Bewährt hat sich eine Bestätigung direkt nach dem Ausmachen, eine Erinnerung am Vortag und eine kurze Nachricht ein paar Stunden vorher. Studien zeigen: Wichtiger als der genaue Zeitpunkt ist, dass überhaupt erinnert wird. Ein persönlicher Anruf wirkt etwas stärker als eine automatische Nachricht.
Soll ich eine Gebühr verlangen, wenn jemand nicht zum Probetraining kommt?
Eher nicht. In einem Versuch mit über 6.700 Ersterminen hatte eine Gebühr keinen messbaren Effekt. Beim Probetraining schreckt sie zudem genau die Leute ab, die du gewinnen willst. Mehr bringen eine persönliche Reservierung und eine einfache Möglichkeit, abzusagen.
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